Die Sage der Burg

 Der Breilecker

Ein anderes Mal kamen die Otzberger wieder gezogen. Jetzt hatten sie aber noch schwerere Kanonen bei sich. Sie wollten die dicken Mauern der Burg um schießen und den Breuberg der Erde gleich machen. Doch weit gefehlt! Die Kugeln prallten ab an den riesigen Quaderstein, nur ein Stückkugel blieb stecken, gleich rechts von dem Tor, da kann man sie heute noch sehen. Die Breuberger verließen sich auf ihre feste Burg und verloren den Mut nicht. Wenn es draußen blitzte und krachte, jauchzten die Burgleute, und der Roßbub schlug im Hof drei Purzelbäume. An einem Mittag standen sie draußen auf der Wache hinter der Mauer. Dabei kochten sie einen Kessel voll Hirsebrei; und als sie sich nun setzten und sich den Brei schmecken lassen wollten, da flog eine Kugel wider den Turm, prallte ab und, Plumps, da fiel sie mitten in den Kessel. Der Brei spritzte heraus, aber Werner, ein richtiger Spaßvogel, leckte ihn vom Boden auf, sprang auf die Mauer und streckte den Feinden die Zunge heraus. Gleich schossen die Otzberger nach ihm, aber sie trafen ihn nicht. Wie lachten da die Burgleute, und der ganze Haufen rief: " Werner, du bist unser Kühnster, du sollst uns allezeit die Burg bewachen !" Dietrich, der Steinmetz, holte den Hammer und meißelte in einen vorspringenden Stein neben dem Tor Werner, den Breilecker. Da schaut er noch heute herunter, dieser Spaßvogel im Kettenpanzer; er streckt allen die Zunge heraus, die bei geschlossenem Tor die Burg nicht betreten können. Die Tür ist verriegelt, und an der schweren Kette hängt ein dicker, dicker Ring. Wer ihn durchbeißt, bekommt den Breuberg und all das Land ringsum, die ganze Herrschaft. Viele tausend Buben und Mädchen haben es schon probiert, aber der eiserne Ring blieb ganz, und der Breilecker, von dem der ,,Breiberg" seinen Namen haben soll, hat sie ausgelacht. Auch mir hat er die Zunge herausgestreckt.


der Breilecker
Der Breilecker