Ein schönes Märchen von der Burg Breuberg

Weihnachten im Breuberger Land

BurgViele Sagen und Märchen von Weihnachten und vom Christkind sind noch heute im Odenwald lebendig. Die vielleicht schönste wird von alten Leuten in den Dörfern des Breuberger Landes erzählt. Wenn am Heiligen Abend die Glocken von den Türmen des Landes das Fest einleuten, dann schwebt das Christkind mit dem Nikolaus, der hier "Pelznickel" heißt, aus den Wolken herab und senkt sich langsam auf den hohen Bergfried der Burg Breuberg, dem Wahrzeichen des Landes. Christkindchens weißes Kleid und sein langer Schleier flattern im Wind. In der Linken hält es das Wahrzeichen des Festes, den Christbaum, die Rechte streckt es segnend über das weite Land zu seinen Füßen. Mit dem Christkind steigt der Nikolaus herab. Er trägt den großen Sack mit den Gaben für die vielen Kinder über der Schulter und die Rute in der rechten Hand. Beim Klang der Glocken stehen die Kinder am Heiligen Abend an den Fenstern und schauen hinaus, um das Weihnachtswunder genau wie einst ihre Eltern und Voreltern zu erleben. Sie blicken durch den dämmernden Abend hinauf auf den Berg und die Burg. Ist das Wetter kalt und der Himmel klar, dann erblicken sie die wuchtigen Umrisse der Burg mit ihren Mauern und Türmen. Hängen aber graue Nebelschwaden um den Berg oder fallen dicke Schneeflocken vom Himmel, dann ahnen die Kinder hinter Nebelschleiern und Schneewolken das unsichtbare Geheimnis der Nacht. Dumpf und laut reden die Glocken von den Türmen. Im ganzen Jahr tönen sie nicht so feierlich wie an diesem Abend. Hinter den Kindern steht die Mutter und vielleicht auch die Großmutter und denken zurück an vergangene Zeiten, in denen auch sie mit kindlichem Herzen an das Weihnachtswunder auf dem Breuberg glaubten. "Habt ihr gesehen?", fragt die Mutter, und aus den Antworten der Kinder redet ihr Alter oder der Einfluß einer aufgeklärten Zeit. ,"Nein!" sagen trotzig die Buben. ,,Es dunkelt schon, und der Nebel hängt um den Berg. Wie sollen wir da das Christkindchen sehen?" Doch die Mädchen erschauen in ihrem kindlichen Glauben das Weihnachtswunder auf dem Berg trotz Nebel und Schnee. Bei ihnen ist noch das Wunder des Glaubens liebstes Kind. Sie kennen auch noch den alten Weihnachtsspruch vom Christkind und seinem Esel und beten ihn aus gläubigem Herzen.