Die Nachbarburgen von Breuberg

Veste Otzberg     Burg Frankenstein     Burg Freienstein     Burgruine Rodenstein     Burg bei Lindenfels

Veste Otzberg


Lage: beschildert
Träger: Land Hessen
Besichtigung täglich

Der Otzberg gehörte vermutlich zu dem Territorium, das König Pipin 766 dem Kloster Fulda zusammen mit Groß-Umstadt schenkte. Wechselnde Lehensherren übernahmen den strategisch wichtigen Ort, bis er schließlich 1390 zusammen mit der fuldischen Hälfte von Groß-Umstadt an Pfalzgraf Ruprecht d.Ä. verkauft wurde. Die Pfälzer hielten ihren Besitz über vierhundert Jahre. Unterbrochen wurde ihre Herrschaft von kurzfristigen Eroberungen und Besetzungen (durch Hessen von 1504 bis ca. 1507 und von 1622 bis 1648). Sie endete endgültig im Jahre 1803 mit der Übernahme des Amtes Otzberg durch Hessen-Darmstadt.

Als planmäßige Festungsanlage erkennt man den annähernd ovalen Burghof, der umzogen wird von einer inneren Ringmauer, dem schmalen Zwinger, einer äußeren Ringmauer, Graben und Wall. Die innere Ringmauer hatte einen umlaufenden Wehrgang. Die tieferliegende äußere mit ihren mächtigen Strebepfeilern diente auch als Stützmauer.

Früher gelangte man über eine Zugbrücke (Seilrollen und Zugbalken noch vorhanden) durch den Torbau auf steil ansteigendem Weg in die Burg - sofern es das Wachpersonal, stationiert im Wächterstübchen mit seinem Ausguckerker, erlaubte.

Das Umfeld konnte vom wuchtigen Bergfried aus (16,75 Meter hoch), der im Volksmund "weiße Rübe" genannt wird, optimal kontrolliert werden. Der Zugang in sein Untergeschoß wurde erst Ende des 18. Jahrhunderts eingebrochen. Bis dahin gab es lediglich eine Holzbrücke zwischen der in ca. neun Meter Höhe liegenden Öffnung im Bergfried und der Kemenate an der Westseite. Die Ruine zeigt, daß die "Kasernenbau" genannte Kemenate zweigeschossig und das größte Wohngebäude auf der Burg war.

An sie schließt sich im Süden der Palas, das "Bandhaus", mit seinem steilen Dach an. Heute ist in dem stark veränderten Bau das "Museum Otzberg - Sammlung zur Volkskunde in Hessen" eingerichtet. Die Ruine des schmalen, ehemaligen Korporalshauses, das sich vor dem Palas an die Ostseite der Ringmauer anlehnt, soll in den nächsten Jahren wieder aufgebaut werden.

Östlich der Durchfahrt befindet sich das Brunnenhaus. Aus dem ca. 78 Meter tiefen Brunnen konnte - erleichtert durch ein 1788 eingebautes Tretrad mit zwei gegenläufigen Eimern, die am Wellbaum hingen - das Was-

ser für die Burg geschöpft werden. Gegenüber steht das sogenannte Kommandantenhaus, ein zweiflügeliger winkliger Bau, der an den Talseiten noch zwei Aborterker hat. Im Obergeschoß mit schönem Fachwerk, im Erdgeschoß massiv ausgeführt, beherbergt er einen traditionellen Gaststättenbetrieb.

Mit dem Bau der Gipfelburg auf dem Otzberg wurde mutmaßlich um das Jahr 1200 begonnen. Zum ältesten Teil der Anlage gehört der Bergfried. Das "Bandhaus" entstand wahrscheinlich im frühen 15. Jahrhundert. Die Errichtung der Ringmauern erfolgte im Verlaufe des 16. Jahrhunderts, ihr Baufortschritt ist an Datierungen auf den Quadern rundherum abzulesen. Parallel dazu unternahmen die Pfälzer den endgültigen Ausbau der Burg, die seit 1624 schließlich weitgehend unverändert blieb.

Während der Pfälzer Fehde hatte Landgraf Wilhelm II. sich als "hessischer Brandmeister" beim Volk einen Namen gemacht, als er im Auftrag des Kaisers die Pfälzer Besitzungen einnahm und 1504 die kampflose Übergabe der Veste vermutlich dadurch erzwang, daß er Hering niederbrannte. Nach der Rückgabe der Burg an die Pfalz war es auch die Bedrohung durch Hessen, die vom Otzberg aus zudem sichtbar in der zur Landesfestung ausgebauten Burg Lichtenberg bestand, die die Pfälzer in der Folgezeit veranlaßte, ihre Burg und das Städtchen wehrhafter zu verstärken.

Zur pfälzischen Garnison mit einer festen Besatzung wurde die Burg erst nach 1648. Bis dahin war sie Sitz der jeweiligen Amtmänner gewesen, und ihr ständiges Wachpersonal war lediglich in Krisenzeiten durch die Burgmannen mit ihren Knechten verstärkt worden. Ab 1711 zogen die ersten Veteranen in die Burg ein, denn mit der Stabilisierung der politischen Verhältnisse hatte die Veste Otzberg ihre militärische Bedeutung für die Pfälzer verloren, die sie nun zur Invaliden- bzw. Veteranenkaserne umnutzten. Nach der Übernahme durch Hessen-Darmstadt wurde auf dem Otzberg vorübergehend ein Gefängnis eingerichtet. 1826 wurden Teile der Gebäude auf Abriß verkauft und die Anlage schließlich ganz dem Verfall preisgegeben.

Die heutigen Ruinen auf der Veste Otzberg sind also nicht das Resultat von Krieg und Eroberung - dem hat die Burg immer standgehalten. Ihre trutzige und schützende Wirkung, die sie über viele Jahrhunderte bewahrt hatte, kann jeder Besucher heute noch nachempfinden.

Erstellt am 23.04.97 von J.H.Müller

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Burg Frankenstein


Lage: Abzweig an der Straße von
Darmstadt-Eberstadt nach Mühltal
Träger: Land Hessen

Die Burg Frankenstein ist die nördlichste der zahlreichen Höhenburgen entlang der Bergstraße. Konrad II. Reiz von Breuberg hatte mit dem Bau der Burg vermutlich in den dreißiger Jahren des 13. Jahrhunderts begonnen.

Die rechteckige Kernburg, der Ursprungsbau, liegt erhöht auf einem Felsplateau. Man erreichte sie durch den Brückenturm und über eine nicht mehr erhaltene Zugbrücke. Diese waren Teil einer Zwingererweiterung, die, in zwei Abschnitten vollzogen, bis ca. 1400 abgeschlossen war. Das Aufkommen schwerer Feuerwaffen hatte die Modernisierung der Schutzanlagen nötig gemacht.

Die Vorburg mit den Wohn- und Wirtschaftsgebäuden und der Kapelle entstand Mitte des 15. Jahrhunderts. Diese Erweiterung war nötig geworden, weil sich die Zahl der Burgbewohner stetig erhöht hatte, besonders seit dem Erbantritt der beiden Stiefbrüder Konrad III. und Johann I., mit denen sich das Geschlecht der Frankensteiner in zwei Linien teilte. Mit dem Burgfrieden 1363 hatten sie ihren Entschluß besiegelt, die Burg in Zukunft gemeinsam zu bewohnen.

Ihre Wehrhaftigkeit verstärkten die Frankensteiner nochmals gegen Ende des 15. Jahrhunderts durch den Bau eines Turmes mit Geschützscharten anstelle des Vorwerks und durch einen Rondellturm mit Mauerscharten, der in die westliche Zwingermauer eingestellt wurde. Neue Wohngebäude kamen im 16. Jahrhundert hinzu. Verwandtschaftliche Bande verknüpften die Frankensteiner mit den Burgherren der Umgebung, darum vielleicht wurde ihre Burg nie erobert. Deshalb war sie auch in gutem Zustand, als sie 1660/61 an Hessen-Darmstadt verkauft wurde - ausgerechnet an die Landgrafschaft, mit der die Frankensteiner lange verfeindet gewesen waren, unter anderem deshalb, weil sie nach der Reformation katholisch geblieben waren.

Durch Mißwirtschaft der Pächter verfiel die Anlage jedoch immer mehr und erst mit der Romantik wurde sie, wie das Rittertum und die Burgruinen allenthalben, wiederentdeckt. Für Darmstädter Maler war sie ein bevorzugtes Motiv, und Albert Ludwig Grimm wählte in seiner Sage vom Ritter Georg (1816 veröffentlicht) einen Frankensteiner zur Hauptperson. Die Burg entwickelte sich zum beliebten Ausflugsziel - auch des Adels, weshalb ab 1835 Restaurierungsarbeiten veranlaßt wurden, wie die unhistorische Helmbedeckung der Türme, die Wiederherstellung der Kapelle und deren Ausstattung mit Grabmalen der Frankensteiner.

Die Gastronomie auf der Burg hat eine Tradition, die bis ins Jahr 1765 zurückgeht.

Erstellt am 23.04.97 von J.H.Müller

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Burg Freienstein


Lage: Am Schloßberg


Die Gründung der Hangburg "Schloß" Freienstein erfolgte im frühen 13. Jahrhundert, wobei es offen ist, ob sie durch die Reichsabtei Lorsch, die Pfalzgrafen, die Erbacher Schenken oder durch Angehörige derer von Freienstein erbaut wurde. Von den Pfalzgrafen ging das Lehen noch im selben Jahrhundert an die Schenken zu Erbach über. Zu dieser Zeit residierten hier als Burgmänner die Herren von Freienstein. In strategisch günstiger Position gelegen, diente die Burg der Sicherung der südlichen Herrschaftsgrenze, insbesondere der Überwachung des Verkehrs im Gammelsbachtal. Im Jahre 1354 verkaufte Arnold von Freienstein Burg und Dorf Gammelsbach an die Erbacher Schenken. Nun wurde sie zum Verwaltungssitz der Oberzent oder des Amtes Freienstein, dem die Stadt Beerfelden und 15 weitere Dörfer angehörten. Wiederholt war die Burg auch Witwensitz des Grafenhauses. Nach dem großen Stadtbrand von Beerfelden 1810 erlaubte Graf Albert zu Erbach-Fürstenau den Obdachlosen, die Dachziegel und das Bauholz der Burg für den Wiederaufbau ihrer Häuser zu verwenden. Damit war ihr Zerfall eingeleitet, letztmalig wird sie 1811 als Armenwohnung genutzt. Im Jahre 1887 fiel der Torbau in Trümmer. Um 1890 wurde die Schildmauer mit einem Zuganker gesichert; dennoch mußte sie 1938 um drei Meter abgetragen werden. Weitere Sicherungsmaßnahmen erfolgten 1906-14 unter Baurat Karl Krauß. Im März 1988 stürzte die Schildmauer der Burg schließlich zum größten Teil ein. Von 1990-94 erfolgte die umfangreiche und kostspielige Restaurierung der Außenmauern.

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Burgruine Rodenstein


Lage: nordwestlich von Fränkisch-Crumbach
Träger: IG Heimatmuseum Rodenstein e.V.
Besichtigung: jederzeit


Am Ende des Eberbacher Tales liegen mitten im Wald die Ruinen der Burg Rodenstein. Als vermutlich gegen Ende des 13. Jahrhunderts die Burg Reichenberg an Erbach verloren ging, erbauten die Herren von Crumbach am Südosthang des Rimdidim eine Hangburg und nannten sich fortan die Herren von Rodenstein.

Der älteste Teil der Anlage ist die viereckige Kernburg mit den Ausmaßen 24 mal 30 Meter. Im 14. Jahrhundert wurde diese erweitert. Besonders durch den Bau eines neuen Zwingers mit starker Bastion im Süden wird die Burg um 1550 entscheidend befestigt. Aus dieser Zeit stammen die beiden Flankierungenstürme. Seit dem Tod des Adam von Rodenstein 1635 war die Burg unbewohnt. Ihr Verfall geht auf das rücksichtslose Entfernen von Dachziegeln und Gebälk durch den Miteigentümer Hauptmann von Kamptze zu Gottau 1640 zurück. Auch als 1801 sich die Herren von Pretlack in Fränkisch-Crumbach ein Schloß bauten, entnahmen sie Steine aus der Burgruine. Seit 1885 wurde die Ruine mehrfach restauriert, zuletzt 1985.

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Burg bei Lindenfels


Lage: Burgstraße
Träger: Stadtverwaltung Lindenfels
Besichtigung: tagsüber
Eintritt: DM 0.50

Die Burg ist im elften Jahrhundert angelegt worden. Sie ging, wie dieStadt, in pfälzischen Besitz über und wurde von verschiedenen Burgmannengeschlechtern bewohnt. Ihre heutige Grundform dürfte in das zwölfte Jahrhundert zurückgehen, das erhaltene Mauerwerk dagegen stammt aus dem 13. und 14. Jahrhundert.

Gleichzeitig mit der Stadtbefestigung ist die Burg ausgebaut worden, und später wurden noch mehrere Ergänzungen vorgenommen. Im 18. Jahrhundert ist sie in Verfall geraten, und seit Ende des 19. Jahrhunderts wurden mehrfach Instandsetzungsarbeiten zur Erhaltung der eindrucksvollen Ruinen durchgeführt.

Die Kernburg liegt sicher auf einer steilen Bergkuppe und ist durch einen oberen und einen unteren Zwinger geschützt. Durch ein Tor am Ende der Burgstraße gelangt man in den äußeren östlichen Burgbereich. Beim Aufstieg durch diese Vorburg umrundet man im Süden die Kernburg, und durch ein Tor im Westen gelangt man schließlich hinein.

In den Ecken oben neben dem spitzbogigen Portal lassen sich noch die Schlitze für die Zugvorrichtung erkennen, und in dem darüberliegenden Rundbogenfries befindet sich ein Gußerker für Verteidigungszwecke. Die Konsolen daneben sind als Männerköpfe gestaltet, die dem eventuellen Angreifer die Zunge herausstrecken. Gegenüber diesem Eingang, außen, befindet sich der Burgbrunnen. Die mächtigen Burgmauern bilden ein Zehneck, und an diese waren die einzelnen Gebäude angebaut. In der Mitte des Hofes erhob sich der mächtige Bergfried, die runden Fundamentmauern dieses Turmes sind angedeutet. Neben dem Tor, an der Nordwand, stehen die Reste des mehrgeschossigen Palas mit einer hohen, spitzen Giebelwand. Der Wehrgang auf der nördlichen Umfassungsmauer führt bis zu einer Erkernische im Osten, von hier aus bietet sich ein hervorragender Ausblick. Von den Gebäuden an der Südmauer, einer Kapelle, einer Schmiede und einem Keller, sind nur die Keller und Grundmauern erhalten geblieben.